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Uta Helfrich, Claudia Maria Riehl (Hrsg.)

pro lingua Band 24
Mehrsprachigkeit in Europa - Hindernis oder Chance?
1994, VII + 213 S.
ISBN: 3-926972-41-5
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Vor dem Hintergrund der wachsenden Europäischen Union und der zu erwartenden Sprachenvielfalt werden in diesem Band, der aus einer Arbeitsgruppe der 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in Münster 1994 hervorgegangen ist, mögliche Perspektiven für ein mehrsprachiges Europa entwickelt und diskutiert. Thematisiert werden u.a. unterschiedliche Modelle von Mehrsprachigkeit, die Frage nach rechtlichem Status und staatlicher Förderung der koexistierenden Sprachen, das Problem der Kompetenzverteilung von Minderheiten- und Überdachungssprache bei mehrsprachigen Sprechern, die Relation von Sprache und Identität sowie die Rolle von Interferenzen und Entlehnungsvorgängen.
Die Beiträge des ersten Teils beschäftigen sich mit allgemeinen und theoretischen Überlegungen zu den genannten Aspekten sowie mit Modellen mehrsprachiger Gemeinschaften. Joachim Born diskutiert zunächst die Dimension der Sprachenfrage in der Europäischen Union; danach zeigt Ludwig M. Eichinger auf, wie der Ausbau der politischen Systeme Einfluss auf den Status der Sprachen nimmt und welche Kosten-Nutzen-Rechnungen mehrsprachige Sprecher anstellen. Im Anschluss daran werden zwei Modelle mehrsprachiger Gemeinschaften vorgestellt und deren Übertragbarkeit auf Europa überprüft, aus historischer Perspektive anhand der altösterreichischen Sprachenvielfalt (Hans Goebl) und aus außereuropäischem Blickwinkel am Beispiel Indiens (Dörte Borchers). Daraufhin geht Klaus J. Mattheier auf das Phänomen der Sprachinseln als Sonderfall minderheitlicher Mehrsprachigkeit ein, und Peter Nelde weist schließlich auf die sozioökonomische Dimension von Mehrsprachigkeit hin und schlägt Lösungsmöglichkeiten für dabei auftretende Konflikte vor.
Im zweiten Teil werden diese Überlegungen an konkreten Beispielen exemplifiziert: Thomas Stehl geht anhand von Beispielen aus Italien und Frankreich auf die linguistischen Konsequenzen des Sprachenwechsels ein, und Claudia Maria Riehl verweist am Beispiel des Deutschen in Südtirol auf die Bedeutung der Schriftnorm für die sprachlichen Minderheiten. Daran schließen sich die Ausführungen von Andreas Wesch zu lexikalischen und semantischen Interferenzen im Spanischen Barcelonas und von Frank Jablonka zur Auswirkung der zunehmenden Italianisierung des patois im Aosta-Tal an. Otto Gsells Überlegungen zur Problematik der Dreisprachigkeit im dolomitenladinischen Sprachgebiet runden die Fallstudie ab.


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